Sternzeit F:A:S
Im Stadtteil Frankfurter-Allee-Süd in Berlin-Lichtenberg hat der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. in Kooperation mit der Staatsoper Unter den Linden in der Zeit von Mai 2009 bis Juni 2010 ein Opernprojekt für Kinder zwischen 8 und 13 Jahren durchgeführt. Im Stadtteil Frankfurter-Allee-Süd waren daran die Schulen (Herrmann-Gmeiner-Schule, Mauritius-Schule) und Horte (Lichtpunkt, Mauritius), zwei Kinderzentren (Magdalena und Steinhaus Caritas Kinder- und Jugendzentrum) sowie die Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg, die Pfarrgemeinde und das Stadtteilzentrum Kiezspinne beteiligt.
Mit dem Projekt „Sternzeit F:A:S – Kinderoper in Lichtenberg“ beschritt der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. auf innovative Weise neue Wege im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit nach §11 KJHG/ §11 SGB VIII. In dem Projekt machten Kinder des Stadtteils produktionspädagogisch Erfahrungen mit dem Medium Oper und den darin enthaltenen Disziplinen (Musik, Theater, Tanz, Bühnenbild, Maske, Kostüm sowie alle produktionsspezifischen Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Flyer, Plakate, Eintrittskarten, Internetauftritt). Der Entwicklungs- und Inszenierungsprozess wurde beispielhaft in einem Response-Projekt entfaltet und lief parallel zur Neuinszenierung der Oper L´Etoile von Emmanuel Chabrier an der Berliner Staatsoper.
Kultur- und fächerverbindend wurde durch das Zusammenwirken von Schulen, sozialen Einrichtungen im Sozialraum „FAS“ und der Abteilung op|erleben an der Staatsoper (Leitung: R.O. Brinkmann) Kindern ein eigener schöpferischer und gestalterischer Weg erschlossen, der nachhaltig den Zugang zu klassischen und zeitgenössischen Kunsterfahrungen ermöglichte und darüber hinaus den kreativen Prozess nutz- und verstehbar machte.
Die Kinder waren in alle Produktionsvorgänge involviert, angeleitet durch Musiktheater-, Tanz- und Sozialpädagogen (Musikalische Entwicklung und Umsetzung: Lena Haselmann, Szenische Entwicklung und Umsetzung: Sarah del Lago). Ihnen wurden in Schauspiel-, Tanz-, Musik-, Chor-, Bühnenbild-, Schreib- und Medienwerkstätten “Spielräume” erröffnet, in denen sie spielerisch die Inhalte ihrer eigenen Oper entwickelten. Kontinuierliche Arbeit in der Schule und nachmittags in den Freizeiteinrichtungen wurden ergänzt durch gemeinsame Probenwochen in den Ferien.
An mehreren Aufführungen im Stadtteil und in der Staatsoper nahmen auf der Bühne in verschiedenen Teams mehr als 120 Kinder teil. An den Projekten zu Bühnenbau und Dokumentation, Reflektion und Evaluation mittels Print und Neuer Medien waren weitere 20 Kinder und Jugendliche beteiligt. So konnten Kinder die Bedeutung eines kulturellen Kontexts für den Einzelnen und den Sozialraum verstehen lernen und mit Bezugspersonen aus Familie, Schule und Freizeit prägen.
Durch ihre Tätigkeit stellten die Kinder Bezüge zwischen der romantischen Oper von Chabrier und ihrer eigenen Umgebung her. In der künstlerischen Auseinandersetzung gelang es ihnen, ihre aufgeklärt-städtische, von Beton und kluger Lebenspraxis dominierte Welt zu “romantisieren”. Dafür gaben die Künstler und Pädagogen den Kindern methodische Instrumente in die Hand, mit denen diese kreativ auf die Fragen antworteten, welche sich ihnen aus dem Werk und seinem Bezug zur eigenen Welt heraus stellten.
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